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Eingewöhnungszeit

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“ Das Zitat von Hermann Hesse versinnbildlicht, wie viel Aufmerksamkeit einem Neuanfang zu schenken ist, und dass von einem richtigen Anfang auch ein Schutz ausgehen kann, der hilft, den Start zu meistern und als zu bewältigende Herausforderung zu verstehen.

 

In unserer Einrichtung verläuft die so genannte Eingewöhnungszeit weitestgehend nach dem „Berliner Eingewöhnungsmodell“. Die Grundidee dieses Modells besteht darin, dass das Kind während der Startphase in der Einrichtung von einer Bindungsperson, einer ihm sehr vertrauten Person, begleitet wird. Dies ist oft, aber nicht zwingend die Mutter.

 

Am Anfang sind Kind und ein Elternteil oder eine andere Bezugsperson nur etwa eine Stunde gemeinsam in unserer Tagesstätte, dann kann diese Zeit gesteigert werden. Wir nehmen behutsam Kontakt zum Kind auf, z.B. über Spielangebote, um so Schritt für Schritt das kindliche Vertrauen zu gewinnen. Um Gewohnheiten, Vorlieben und Besonderheiten des Kindes besser kennen zu lernen, führen Mutter und Erzieherin in den ersten Tagen ein Eingewöhnungsgespräch, in dem die Mutter die Gelegenheit hat, von ihrem Kind zu berichten. Die Erzieherin stellt dabei unter anderem Fragen zur Entwicklung des Kindes.

 

Wenn das Kind ein Stück weit zu einer Erzieherin orientiert ist, wird (z.B. nach drei Tagen) ein erster Trennungsversuch unternommen, bei dem die Mutter für kurze Zeit den Gruppenraum verlässt. Uns ist es wichtig, dass sie sich kurz und klar vom Kind verabschiedet. Nun gilt es herauszufinden, ob die Erzieherin das Kind trösten kann, wenn es nötig ist. Wenn dies nicht gelingt, warten wir noch etwas bis zum nächsten Trennungsversuch.

 

In der ersten Phase sollte die Mutter noch abrufbereit in unmittelbarer Nähe sein. Die Zahl der in der Einrichtung verbrachten Stunden sollte nur allmählich gesteigert werden. Die Mutter, oder eine andere Bezugsperson des Kindes, sollte also auf Nummer sicher gehen und ausreichend Zeit (bis zu einem Monat) für den Start des Kindes in den Kindergarten einplanen.

 

Da jedes Kind einzigartig ist, ist bei jedem Kind auch die Dauer der Eingewöhnungszeit individuell und vorher nicht abzuschätzen. Die Grundsätze des „Berliner Eingewöhnungsmodell“ bieten Eltern, Kindern und Erzieherin eine wichtige Orientierung in dieser bedeutenden Zeit.

 

Quelle: kindergarten heute 5/2008